Kolpingsfamilie hält die Kunst des Kartelns hoch

Der Bayerische Philologenverband regte vor Kurzem an, Kartenspiele wie Schafkopf an Schulen in den Fächerkanon einzugliedern. Damit sollen sowohl mathematische, soziale und strategische Kompetenzen gefördert als auch eine Rückbesinnung auf die Tradition und die Heimat erreicht werden.

Viel früher hat sich diese Erkenntnis bei der Kolpingsfamilie Herzogenaurach durchgesetzt, wo seit 1965 die Ergebnisse der Schafkopfspiele aufgezeichnet und für das ganze Jahr gewertet werden. Jetzt war es wieder soweit, der Jahressieger für das abgelaufene Jahr wurde geehrt.

Viele der Mitspieler pflegen bereits seit ihrer Jugend das Kartenspiel, gelernt haben es die meisten in der Schule, aber natürlich außerhalb des offiziellen Stundenplans, in der Pause etwa oder beim Warten auf den Bus. So auch der Vorsitzende Dieter Lohmaier, der mit seinen Schulkameraden in der Freizeit zu den Karten... zum Ticketshop griff und sich damit die Zeit vertrieb.

Bei der Herzogenauracher Kolpingsfamilie wird die Schafkopfrunde meist einmal im Monat in geselliger Runde gepflegt. Aus einem Kreis von 44 Kartlern kommen häufig zwanzig zu den Dienstagsterminen in der "Krone", so dass fünf Tische mit Kartlern zusammengestellt werden können. Zur Kartelakademie in Weinzierlein muss daher keiner gehen. Im Rahmen des ersten Schafkopftermins im neuen Jahr wurde die abgeschlossene Wertung für das Jahr 2018 bekanntgegeben. In diese konnten die Ergebnisse der Kartelrunden des vergangenen Jahres einfließen. Aus den Einzelwertungen ergab sich eine Punkteliste, die Joachim Lohmaier als Organisator der Zusammenkünfte verkündete.

Den ersten Platz machte Werner Philipp gefolgt von Herbert Gumbrecht auf Platz zwei. Den dritten Platz belegte Karl Salbaum. Es folgten in der Punktewertung Christian Müller, Konrad Singer, Albert Eichenseer, Josef Gumbmann, Baptist Lunz, Edwin Lehner und Helmut Müller. Preise erhielten die ersten zehn.



Der Sieger der Jahreswertung für das Jahr 2018, Werner Philipp, hatte eigentlich nicht damit gerechnet, den ersten Platz zu gewinnen, zum ersten Mal in seiner aktiven Zeit. "Ich spiele aus Spaß am Spiel", meint er nur. Gelernt hat er das Schafkopfen bereits in seiner Jugend, als er mit Freunden im Herzogenauracher Freibad auf der Liegewiese kartelte. Seit zwölf Jahren spielt er regelmäßig einmal in der Woche privat, woher vermutlich auch die nötige Routine kommt.

Der zweite Sieger, Herbert Gumbrecht, ist erst seit dem Jahr 2018 in der Kolping-Kartelrunde dabei, animiert durch seinen Nachbarn Konrad Eitel. Gelernt hat er das Karteln als Jugendlicher in der Dorfgemeinschaft Steinbach im Feuerwehrhaus. Auch er war über seinen Erfolg in der Wertung überrascht. Ansonsten ist er nirgends zum Karteln unterwegs. An der Runde schätzt er das hohe Niveau und die harmonische Spielweise.

Die anwesenden Kartler machten sich nach der Preisverleihung gleich wieder daran, die Wertung für das Jahr 2019 zu eröffnen. Für eine Brotzeit zur Stärkung war gesorgt.

Adam Lindner war erster Sieger

Eine Jahressiegerliste wird seit 1965 geführt. Zu Beginn war Konrad Ackermann dafür zuständig. 1982 hat Joachim Lohmaier dieses Amt übernommen. Sogar die Tasche, in der die Unterlagen für die Kartelrunden und ihre Wertung aufbewahrt werden, stammt noch von seinem Vorgänger. Spendiert hatte das gute Stück damals Robert Drebinger. Darin sind die Protokolle ab 1974 sicher verwahrt.

Die Siegerliste beginnt 1965 mit Adam Lindner. Viermal sind darauf Gerhard Fischer, Hermann Weiß, Klaus Süß und Christian Müller, dreimal Albert Manz, Klaus Süß, Joachim Lohmaier, Albert Eichenseer, Hans Herbst, Christian Müller und Karl Schnappauf zu finden.

Fränkischer Tag vom 16.01.2019