Frauen im Kolpingwerk

Als Adolph Kolping im vorigen Jahrhundert den Katholischen Gesellenverein gründete, handelte es sich um einen reinen Männerverein. Nur unverheiratete Handwerksgesellen konnten Mitglieder werden. Im Laufe der Zeit erweiterte sich dann der Mitgliederkreis immer mehr. Auf der Zentralversammlung in Würzburg 1966 wurde dann schließlich der Beschluß gefaßt, auch Frauen als offizielle Mitglieder aufzunehmen. Damit stand den Frauen auch das Stimmrecht bei Versammlungen zu und die Möglichkeit, Ämter im Verband zu übernehmen.

Nach diesem Beschluß stieg die Anzahl der weiblichen Mitglieder stetig an: Anfang 1968 waren es 284 in der Gruppe Jungkolping (unter 18 Jahre), 260 in der Gruppe Kolping (bis zur Hochzeit, Durchschnittsalter 25 Jahre) und 79 in der Gruppe Altkolping. Innerhalb der nächsten fünf Jahre versechsfachte sich diese Zahl. Zehn Jahre nach dem Beschluß von Würzburg gab es in Deutschland mehr als 22500 Kolpingschwestern – das waren immerhin 8,6 Prozent der Gesamtmitglieder.

Heute sind 31 Prozent aller Kolpingmitglieder in Deutschland Frauen. Dabei ist ein deutlicher Unterschied zwischen den Altersgruppen festzustellen: Sind es bei der Kolpingjugend (bis 30 Jahre) 45 Prozent, so sind es bei den Erwachsenen nur 28 Prozent Frauen. In Zahlen ausgedrückt: Von 276697 Mitgliedern (Stand 30.6.1996) sind 87101 Frauen und 189596 Männer. Das schlägt sich auch beim Altersdurchschnitt nieder, der bei den weiblichen Mitgliedern 43,2 Jahre beträgt. Zum Vergleich: bei den Männern sind es gute sechs Jahre mehr.
In der Ämtersstatistik schneiden Frauen nicht ganz so gut ab, obwohl in den Statuten die Mitarbeit von Frauen in Vorständen und Gremien ausdrücklich empfohlen wird: Von fast 25000 Amtsträgern, die es in deutschen Kolpingsfamilien gibt, sind nur rund 6000 Frauen. Die Aufgaben, die besonders häufig von Frauen übernommen werden: Schriftführerin, Kassiererin, Vertreterin der Kolpingjugend, Ehe- und Familienarbeit. 190 von rund 2700 Kolpingsfamilien haben eine weibliche Vorsitzende, rund 390 eine stellvertetende Vorsitzende. Noch seltener sind Frauen in den Ämterstistiken der Bezirks-, Regional- und Diözesanverbände vertreten.